Ein Elektroauto, das nicht mit Tesla anfängt und nicht aus Kalifornien stammt? Sondern aus Ingolstadt und auf den schnöden Namen Audi Q7 e-tron hört? Auch noch ein SUV??? Was ist denn da los?

Die Eckdaten zum Abfrühstücken

Audi hat seinen SUV namens Q7 mit einer Zusatzbatterie ausgestattet, die rund 50 KM Reichweite verspricht (um genau zu sein 17,3 kWh Ladekapazität für theroetische 56 KM). Das Konzept ist hinlänglich bekannt und wird weithin als Plugin Hybrid bezeichnet. Der Hauptmotor ist ein Verbrenner, hier bei diesem Modell ein V6 Diesel, 3.0 Liter Hubraum mit 258 PS. Der alleine reicht eigentlich vollauf, was ordentliche Agilitätswerte ermöglicht. Mit Hilfe der Zusatzbatterie addiert sich die Gesamtleistung auf 373 PS.

Was bringt die Zusatzbatterie an Vorteilen und Nachteilen im Q7?

Betrachten wir zunächst die Platzierung der Batterieanlage. Im ersten Bild schaut ihr bitte nach rechts. Zwischen den Hinterrädern sitzt die Batterie mitsamt Gehäuse, Kabelstrang und Kühlung.Audi Q7 e-tron Wie ihr sehen könnt, befindet sich genau dort die Batterie mit ihren Akkuzellen (natürlich Lithium-Zellen). Zwischen Batterie und Vordermotor (Diesel wie gesagt) sitzt der Dieseltank (an der schwarzen Gehäusefarbe zu erkennen).Audi Q7 e-tron Anhand der Höhe der Batterie könnt ihr auch erkennen, warum der Kofferraum gegenüber dem normalen Q7 um fast 240 Liter geschrumpft ist.Audi Q7 e-tron

Kommen wir zu der Aufzählung der Vor- und Nachteile

  1. Platz: Das Kofferraumvolumen schrumpft von 890 Litern auf 650 Liter. Denn, die Batterie ist hinten verbaut und nimmt ordentlich Volumen ein.
    2. Gewicht: Das Leergewicht beträgt mitsamt Batterieanlage 2.445 Kg. Bei Dieselmodell ohne Batterie 2.070 Kg. Sprich, die Batterieanlage wiegt demnach 375 Kg.
    3. Leistung: Die PS-Leistung wächst von 272 PS im normalen Q7 3.0L Diesel auf 373 PS im Q7 e-tron.
    4. Beschleunigung: Gegenüber dem reinen Dieselmodell (272 PS) beschleunigt der Wagen um ca. 0.3 Sekunden schneller auf 100 (und zwar in 6 Sekunden anstatt in 6.3 Sekunden).
    5. Reichweite: Der Hybrid wäre fast sinnlos, wenn nicht auch seine Reichweite zum normalen Dieselmodell steigen würde. Audi gibt beim Q7 e-tron eine theoretische Reichweite von 1.400 Kilometern an. Das reine Dieselmodell mit 272 PS kommt auf umgerechnet 1.300 Kilometer (bei einem Tankvolumen von 75L und 5,7 L/100 KM).
    6. Verbrauch: Audi gibt den Wert mit 1,7 Litern auf 100 KM an (gemessen nach der ECE-Norm). Wieso kommt dann der e-tron nur 1.400 KM weit, wo doch der normale Diesel 5,7 L/100 verbraucht? Na ja, die Ladekapazität der Batterie reicht eben nicht aus, um mehr als ca. 50 KM weit zu kommen. Je länger die Strecke umso leerer die Batterie? Ja, das kann man durchaus sagen. Aber genau hier setzt das obige, vollmundige Statement „smarteste Elektroauto der Welt“ ein. Kommen wir gleich dazu, aber erst mal der Preis:
    7. Preis: Der Basispreis beziffert sich auf 80.500 Euro. Mitsamt Zusatzausstattung, die dem e-tron zwecks Kaufanreizleckerlie mitgegeben wurde. Der normale Q7 mitsamt 272 Dieselmotor kommt auf rund 61.000 Euro. Bestückt man ihn mit der gleichen Sonderausstattung fehlen immer noch rund 10.000 Euro bis zum e-tron. Da haben wir schon den Casus Knacktus. Der Anteil von Hybrid- und reinen Elektoautos auf dem deutschen Käufermarkt beträgt immer noch weit unter 1%. Kaum ein Kunde ist bereit, den Mehrpreis für die Batterieanlage aufzubringen. Wenn, dann handelt es sich zu 100% um Firmenfahrzeuge, die steuerlich absetzbar sind und einen „Grünen Daumen“- Anstrich versprechen.

Was ist so smart am SUV?

Audi Q7 e-tronDer Clou liegt in der Software verborgen. Wer als Ziel einer 100 KM langen Strecke sagen wir mal eine Stadt ins Navi eingibt, dem hilft die Software, die Batterie so einzusetzen, dass sie für mit das wichtigste Stück Restsrecke – nämlich in der Stadt – auch zum Einsatz kommt. Kurz: Die Batterieleistung wird für lohnenswerte Streckensegmente aufgespart.

Bis dato? Die Hersteller versuchen situativ die Batterieleistung so anzusteuern, dass der Fahrer seinem Gaspedalwunsch nachkommt. Was wenig vorausschauend ist.

Audi nutzt sein neues Glanzstück namens „Prädiktiver Fahrassistent“ und koppelt ihn mit der Batteriesteuerung. Generelle Aufgabe des Assistenten ist, das Auto vorausschauend zu steuern. Kommt in 300 Metern eine Kurve oder ein Kreisel, wird das System den Wagen abbremsen. Kommt eine Hügelkuppe und danach eine Ortseinfahrt, wird der Wagen ebenso heruntergebremst. Der Wagen denkt, der Wagen lenkt, könnte man sagen.

Audi dazu:

„Während der Fahrt unterstützt der Prädiktive Effizienzassistent den Fahrer beim Kraftstoffsparen, indem er präzise Nahumfeld-Informationen liefert. Aus den Navigations- und Kameradaten sowie den Informationen der Radarsensoren der optionalen adaptive cruise control (ACC) erstellt er bis zu drei Kilometer im Voraus ein detailliertes Bild der Strecke. Vor Tempolimits, Ortsschildern, Kurven, Kreisverkehren und Kreuzungen schlägt er dem Fahrer rechtzeitig per optischem Hinweis vor, vom Fahrpedal zu gehen. Zugleich pulst das aktive Fahrpedal einmal gegen seine Fußsohle.“

Schauen wir uns das mal visualisiert an:

Dieses Schaubild soll lediglich verdeutlichen, dass wir hier nicht nur von einer Software reden, sondern einem Zusammenspiel an Kartendaten (auch topologischen), Sensoren, Fahrzuständen und Steuerungssystemen:

Audi Q7 e-tron

Prädiktiver Effizienzassistent

Das nächste Schaubild zeigt auf, wie Audi mit dem Fahrer interagiert, quasi ein Fahrerteam zu bilden versucht, ohne aufdringlich zu sein:

Predictive efficiency assistant

Predictive efficiency assistant

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Fuß vom Gas

So sieht es in der Praxis aus: Fuß vom Gas heißt das Symbol plus ein leichter Impulsstoß am Gaspedal weist dich sensorisch darauf hin!

 

3-4 Liter auf 100km – bei einem 2,5 Tonnen schweren Fahrzeug

audi_madrid_0132In der Tat waren nicht nur wir, sondern auch unsere Kollegen begeistert vom effektiven Verbauch: Für das fast 2,5 Tonnen schwere Fahrzeug kamen Traumwerte zwischen 3-4 Litern auf 100 Kilometer heraus. Bei einem Streckenverlauf aus Serpentinen, Steigungen, Überland, Dorf, Autobahnen und Stadtverkehr (summarisch ca. 90 Kilometer). Und es funzte auch mit der Batterie, was die Reststrecke für den Stadtverkehr anging: Die Batterieleistung wurde aufgehoben bis zu dem Schlussstück! Denn in der Stadt geht der Verbrauch normalerweise rasant nach oben. Klar: Stop&Go ist ein Verbrauchskiller! Das Anfahren wird rein mit Batterie bis rund 20 KMh gelöst (es sei denn, der Fahrer will Gummi geben, dann wird auch der Diesel früher aktiviert). Womit der Wagen ein gutes Stück der Massebeschleunigung mittels Batterieleistung aufbringt.

Fazit

Der Wagen ist um ca. 10.000 Euro teurer, keine Frage, der Kofferraum kleiner, er wiegt mehr, seine Umweltbilanz fällt besser als die reinen Verbrenner aus, er ist agiler und deutlich verbauchsärmer.

Allzuviel muss sich der Fahrer auch keinen Kopf um das Batteriemanagement machen, wenn er alles auf Automatik belässt. Was die Unkenrufe der Aktivfahrer angeht, die befürchten, dass ihnen der Wagen alles abnimmt? Du brauchst dir den Wagen weder zu kaufen noch musst du die Systeme nutzen.

Fakt ist, dass Audi die zur Zeit smarteste Batterietechnik auf dem Markt hat, wo und wann die Ladung und damit Zusatzleistung intelligent gebraucht wird, um den Diesel zu entlasten bzw ihm zusätzlich Power zur Verfügug zu stellen.

Ich kann das nur vollauf bestätigen, denn die Fahrten mit handelsüblichen Hybriden sind echt eine Krux: Wer nicht selbst vorausplanen und kalkulieren will, wann er die Batterieladung denn nun braucht (hallo nervige Modi-Umschalterei) , wird mit dem Q7 e-tron eine weitaus entspanntere Lösung finden. Wie oft war ich schon mit Hybriden vor der Stadteinfahrt mit 0% Ladung reingefahren? Das ist nun vorbei mit dieser Technik.