Schwarzmilan

Das könnte ein Schwarzmilan sein. Sicher bin ich nicht.

Wenn wir mit unserem Bunbo in einer dieser kleinen Buchten lagen, die nur von Feldern, Wiesen, Wald oder Schilf umgeben waren, dann schaute ich oft einfach in den Himmel. Neben dem ständig wechselnden Wolkenspiel zwischen strahlend blauem Himmel mit weißen Wolkenbergen und dramatischen Regenwolken war es faszinierend zu beobachten, welche Vogelarten über uns ihre Kreise zogen.

Einzelne Greifvögel wechselten sich ab mit ganzen Scharen von Wasservögeln, die erst eine gr0ße Runde zogen, bevor sie – häufig mit viel Tamtam – alle gemeinsam auf dem Wasser landeten.

Die Greifvögel ließen sich oft hoch oben von der Thermik tragen, und auch mit dem 200-400mm/f4L, das ich mir extra für diese Reise besorgt hatte, schaffte ich es häufig nicht, die entfernten Späher gut zu erwischen.

ANSITZEN AUF EINEN REIHER

Ich hatte bei meinem letzten Besuch in der Region viele wilde Reiher gesehen, doch meine damals mitgeführten Brennweiten waren zu kurz. Diesmal war ich besser vorbereitet, und nun hoffte ich auf freie Sicht auf einen wilden Reiher. Ich hielt ständig Ausschau, erhaschte den einen oder anderen Blick zwischen Bäumen und manchmal auch direkt vor meiner Nase. Aber bis ich dann die schwere Kamera mit dem Monster-Objektiv im Anschlag hatte, waren diese Reiher schon lange wieder verschwunden.

Da war ich fast ein bisschen enttäuscht, dass ich meinen ersten Reiher auf dem Silbertablett serviert bekam: Mitten in Brandenburg an der Havel, hübsch dekorativ auf einem Bootssteg und nicht ein bisschen scheu. Das Bild eines Reihers in der freien Wildbahn hatte ich mir zugegebenermaßen anders vorgestellt. Aber ich sollte meine Chance bekommen.

Zwischen der Stadt und dem Breitlingsee liegen etwa vier Kilometer in der die Brandenburger Niederhavel von purer Natur umsäumt ist. Kurz vor der Seilfähre Neuendorf fanden wir eine kleine Einbuchtung, in der wir bei schönstem Sonnenschein unser Bunbo anlegten.

Es war richtig warm, es ging nur ein mildes Lüftchen, und wir genossen die warmen Strahlen in unseren Gesichtern.

Bis ich unter einem Baum, der halb im Wasser stand, zwei dünne Beine ausmachte. Da war er endlich. „Mein“ wilder Reiher. Die Kamera mit dem richtigen Objektiv stand in Griffweite, und nun hatte ich nur noch Augen für ihn. Und ich hatte Glück. Ehrlich gesagt war ich mir in den Momenten, in denen die Kamera auslöste, nicht sicher, ob auch nur ein einziges Bild scharf sein würde. Aber der AI-Servo der 1Dx ist beeindruckend schnell und präzise.

Unser Standort

KUSCHELIGER WASSERVÖGELNACHWUCHS

Neben Milanen und Reihern gibt es unendlich viele weitere Vogelarten, die im April zum Teil bereits ihren Nachwuchs dabei haben, wie die Gänse, die laut einer Studie des Landesumweltamts Brandenburg mit 120.000 Tieren alleine auf dem Gülper See nördlich von Rathenow überwintern. Um mit dem Objektiv vertraut zu werden, habe ich also erst mal sehr viele Gänse fotografiert – meistens von hinten 😉

Beim Kanufahren haben wir einen gesamten Schwanensee aufgeschreckt, außerdem haben wir auf unserer Reise auf der Havel Blässhühner, Haubentaucher, Bachstelzen, Stockenten, Kraniche, Kormorane und sogar einen der seltenen Drosselrohrsänger gesehen.

Ich bin sicher, dass Ornithologen in der  Vielfalt der Havelregion ihre helle Freude haben werden. Und obwohl ich vor unserer Reise wenig auf verschiedene Vogelarten geachtet habe, bin ich jetzt schon gespannt auf unsere Reise im Herbst. Und welchen gefiederten Freunden wir dann begegnen werden.

Es versteht sich übrigens von selbst, dass man weder mit Sportbooten noch mit Bunbos ins Schilf einfährt und grundsätzlich einen angemessenen Abstand zu Schilfgürteln hält, die Lebensraum und Nistplatz für viele Tiere sind, die zumindest gefährdet, um Teil sogar vor dem Aussterben bedroht sind, wie Rohrdommeln und Eisvögel.