Ich war neidisch. Wenn Schulkameraden von ihren Ferien erzählten, in Südfrankreich, in Italien oder gar in Kalifornien, dann war ich mir immer sicher, dass es überall auf der Welt schöner sein würde, als in Deutschland. Okay, oder als in Holland*. Für ein niederrheinisches Mädche gehörten die Niederlande gefühlt nicht zum Ausland. Ausland war überall da, wo ich damals nicht sein konnte, und Ausland war – wenn man den Schilderungen der Freunde glauben wollte – immer viel schöner als Deutschland. Und eben Holland.

Diese Sicht auf die Welt und vor allem auf Deutschland änderte sich aus zwei Gründen. Der eine: Inzwischen habe ich die eine oder andere Gegend außerhalb von Deutschland und Holland bereisen können. Und die, die ich bisher nicht bereisen konnte, habe ich auf tausenden Fotos in Fotocommuities gesehen. Der andere: Ich habe angefangen, Deutschland zu entdecken. Und ich denke, es muss sich nicht verstecken.

Eine dieser Entdeckungen sind die Brandenburger Seen und die Region Untere Havelwasserstraße, die quasi bei uns um die Ecke liegen: In knapp drei Stunden ist man von Hamburg aus in Brandenburg an der Havel, und wem der Weg das Ziel ist, der nimmt die Landstraßen an der Elbe entlang und genießt die längere aber schönere Strecke der Elbe-Flusslandschaften.

Naturpark Westhavelland

UNSERE LIEBLINGSPLÄTZE IM BUNBOLAND

Im April 2015 haben Robert und ich ein Bunbo gechartert, um gemeinsam diese Landschaft zu entdecken und zu erleben. Und wir haben sie nicht nur gesehen: Wir haben sie gefühlt, geschmeckt und gerochen. Die Luft ist in dieser Jahreszeit so klar, die Lichtfarben und Himmelszenerien wie gemalt und die Tiere so lebhaft und voller Energie, dass eine einzige Woche auf dem Wasser reichte, um uns für immer mit dieser Gegend zu verbinden. Wir zeigen Euch unsere Lieblingplätze, die wir vom Wasser mit unserem Floating Home entdeckt haben.

TIPP FÜR BUNBO-EINSTEIGER:
ZWISCHEN PLAUE UND PRITZERBE

Wer sich wie wir mit dem Bungalow-Boot und erstmals mit einem Charterschein auf den Weg und mit seinem schwimmenden Haus vertraut machen möchte, dem sei in den ersten Tagen die Nähe zur Marina Plaue, dem Hauptquartier der Bunbo-Flotte empfohlen. Nicht nur, weil diese Nähe eine gefühlte Sicherheit mit sich bringt: Schon zwischen Plaue und Pritzerbe ist die Landschaft reizvoll, kleine Buchten laden zum Ankern und Verweilen ein, und die Orte am Wasser bieten eine verwunschene Kulisse mit malerischen Szenen wie aus einer anderen Zeit.

So geht es von Plaue aus also erst mal nordwärts über die Havel, vorbei an kleinen Örtchen wie Kaltenhausen und Briest bis zur Lutzer Bucht, die zur ersten Übernachtung einlädt.
Von hier aus geht es am nächsten Morgen dann weiter nach Norden, vorbei an Kranepuhl,  Tieckow und Kützkow bis nach Pritzerbe, wo Hafenmeister Mirko vom Bootshaus auch ungeschickte Neu-Seeleute herzlich und kompetent empfängt und sie auf Wunsch mit Wasser, Strom und Brötchen versorgt.

AUF DEN SEEN

Wer sich dann nicht gleich als Bunbo-Newbie in das Abenteuer Schleusen werfen möchte, der fährt die Strecke gemütlich zur Marina Plaue zurück, legt dort nochmal an und kann die vielen Fragen stellen, die er nach den ersten Eindrücken vielleicht hat. Oder nochmal Wasser und Holz nachfüllen, bevor es auf die Seen geht. Oder die Elektronikgeräte aufladen, die man so mit sich führt, denn die bordeigene Stromversorgung ist zu schwach auf der Brust, um mehrere Smartphones, Tablets und Kamera-Akkus zu versorgen. Uns haben Klaus und Gordon vom Bunbo-Team immer herzlich und hilfsbereit mit Rat und Tat zur Seite gestanden, und uns auch gut beraten, als der Himmel noch ganz harmlos aussah. 
Der Tipp erst mal in der Marina abzuwarten erwies sich als goldrichtig, Regen und Wind hätten uns unterwegs vielleicht etwas überfordert 😉
Als es dann endlich auf die Seen ging, fühlten wir uns gut vorbereitet, und das launische Wetter konnte unsere Stimmung nicht trüben. Zumal wir die große freie Fläche und die Fahrrinne auf dem Breitlingsee fast für uns hatten – im Sommer ist hier etwas mehr los. Unser Ziel war die Kanincheninsel gegenüber von Malge, die in dieser Jahreszeit nur von Bibern und Wasservögeln bewohnt ist.
Wenn man mit dem Kanu übersetzt, fühlt man sich ein bisschen wie Entdecker. Eine Insel ganz für uns alleine, das hatte schon etwas Besonderes.

WEG NACH BRANDENBURG/HAVEL

Der Weg ist das Ziel – auf dem Weg in die Stadt Brandenburg hat dieser Spruch nochmal eine neue Bedeutung bekommen. Gesäumt von Natur, nur unterbrochen durch kleine Anleger und die Seilfähre bei Neuendorf, führt die Niederhavel uns etwa vier Kilometer in die Stadt Brandenburg an der Havel. Hier haben wir Reiher und Milane beobachtet, und jede Menge Gänsefamilien mit ihren Flauschküken.

BRANDENBURG AN DER HAVEL

Und dann wird es auf einmal urban. Zur BUGA 2015 hat Brandenburg an der Havel sich richtig heraus geputzt und begrüßt blitzsauber und blumig seine Besucher. Praktisch und genial ist der hauseigene Sportboot-Anleger des Rewe-Supermarktes, der es ermöglich bequem einkaufen zu gehen. Kurz dahinter kann man am Anleger Slawendorf Frischwasser und Strom tanken – wenn man eine Kabeltrommel dabei hat 😉
Es ist herrlich hier zu liegen und daran zu denken, dass man zuhause oft auf einen Platz im Biergarten am Wasser warten und sich die Sommerterrasse mit etlichen anderen Gästen teilen muss,
während man mit dem Bunbo mitten auf dem Wasser gemütlich auf der eigenen Terrasse frühstücken und dem Treiben der Buga-Fähren und am Ufer folgen kann. Der BUGA-City-Skyliner, ein 81 Meter hoher Aussichtsturm, steht noch bis zum 7. Juni auf dem Festplatz am Heineufer und gestattet einen Blick über die kleine schmucke Stadt an der Havel, dann zieht er um nach Rathenow, das ebenfalls mit dem Bunbo erreichbar ist.

BAHNITZ BIS PREMNITZ

Zu unserer letzten Etappe haben wir uns dann getraut: Nach einer Übernachtung am Anleger des Bootshauses Pritzerbe und vielen beruhigenden und guten Schleusen-Tipps von Hafenmeister Mirko haben wir uns auf den Weg zur Schleuse Bahnitz gemacht, um den letzten Tag im Milower Land zu verbringen.

Während unsere bisherige Reise vorbei ging an winzigen uralten Orten und durch die Stadt Brandenburg an der Havel, durchquerten wir hier nun ein großes Stück pure Natur. Wiesen so weit das Auge reichte, und ein sich unendlich in der Havel spiegelnder Himmel, der sich auf faszinierende Weise ständig veränderte.


Nach dem kleinen Abenteuer des ersten Schleusens, das – zumindest mich – ein wenig gekitzelt hat, wurden wir mit einer zauberhaften Strecke belohnt. Wir fuhren bis kurz vor Premnitz und legten für die Nacht gegenüber in einem Seitenarm an, in Nachbarschaft eines wunderschönen Baumes und eines verlassen wirkenden Hofes.
Hier haben wir mit unserem Kanu den Seitenarm erkundet und sind dabei auf die Schwanen-Kolonie gestoßen. Und am Morgen unseres Aufbruchs wurden wir mit einem wunderschönen Sonnenaufgang geweckt.

KARTE MIT UNSEREN STATIONEN

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