Wir waren auf Brandenburger Gewässern unterwegs: Mit einem Hausboot, genauer gesagt, einem Bunbo. Was ist ein Bunbo (steht für „Bungalow Boot„), wie sieht es aus, innen, außen, was kann es, was kann es nicht. Was ist es, was ist es nicht. Wo fährt es? Was braucht man? Für wen ist es? Wie fährt es sich? Ein paar Details und Eigenheiten. 

Stellen wir uns zur Vereinfachung tatsächlich ein kleines Ferienhaus vor. Das über zwei Zimmer verfügt – ein Wohn- und Schlafzimmer, eine Küche, Dusche und WC. Was trotz einer Grundfläche von rund 20 qm in der Tat gemütlich und völlig ausreichend ist, um Ferien auf Gewässern zu verbringen, ohne sich allzu sehr einschränken zu müssen.Selbstredend, dass man sich
mit dem Bunbo im Gegensatz zu einem feststehenden Ferienhäuschen ein sonnigeres, kuscheligeres Plätzchen aussuchen kann. Außenborder anwerfen, Kapitänsmütze aufsetzen und los geht es.
Aber der Reihe nach. Machen wir die Eigenschaften und Eigenheiten eines Bunbo-Aufenthalts an einem typischen Alltagsablauf fest.

AUFWACHEN!

Je nach Schlaflaune wacht man bereits zum Sonnenaufgang in einer stillen Bucht im Bett auf, das mit 1,40m x 2m zwei Personen ausreichend Platz anbietet. Hat man das Bunbo am Vorabend in die richtige Richtung geankert, scheint die Morgensonne idealerweise durchs Fenster. Keine Luke, sondern ein
vollwertiges Fenster mit Moskitonetz. Und ja, es ist ein unfassbar schöner Anblick, der sich einem am frühen Morgen bietet. Nebelschwaden über den Feldern und dem Gewässer, von der Sonne beschienen. Die Vögel zwitschern. Garstige Zivilisationsgeräusche sind keine zu hören. Schöner kann man nicht aufwachen!

MORGENTOILETTE

Sobald man seine Liebespflicht getan hat – seinen Partner mit einem Guten-Morgen-Kuss in den Tag hinein zu begrüßen – dackelt man schlaftrunken zum WC.

 Bullauge im Bad

Bullauge im Bad

Das als Marine-Toilette (mit Abwassertank!) daherkommt. Mittels einem sehr simplen Pumpmechanismus anstelle eine üblichen Spülung ist jede GZSZ-Folge als spannender zu bezeichnen, insofern Spannung überhaupt ein Attribut an dieser Stelle ist.

Ihr werdet es verstehen, wenn Ihr eine Marine-Toilette nicht kennt und Euch vorher denkt „wie soll das denn funktionieren„. Unabhängig der Mechanik: Empfindlichere Nase öffnen ein stilechtes Bullauge oder zünden Streichhölzer an 😉  ) Das daneben liegende Waschbecken mit einer Kalt- und Warmwasserversorgung eignet sich durchaus beengt zur ersten Körperhygienegymnastik am frühen Morgen. Wer nach dem Aufstehen auf Ganzkörperhygiene Wert legt, kann die Duschkabine nutzen, die sich gegenüber dem WC befindet. Ein Duschvorhang verhindert Einblicke von außen. Wasserdruck und -menge laden nicht zum langen Duschen ein, jedoch reicht es völlig aus, um sich sauber und erfrischt zu fühlen. Singen ist möglich, mangels einer Tür jedoch nicht dem Schlaf Deines Partners förderlich.

ERST MAL EIN KAFFEE!

Was wäre ein Morgen ohne Kaffee oder Tee? Während sich Dein Partner im Bett von der Sonne wachscheinen lässt, musst Du nur zwei bis drei Schritte im Flur durchschreiten, um zur Küchenzeile zu gelangen. Die ist mit allen Notwendigkeiten ausgestattet, die es dazu braucht, um Küche genannt zu werden. Hängeschränke mit Kochtöpfen, Geschirr und Besteck. Einer Spüle mit Ablagefläche. Einem Gasherd mit zwei Kochstellen. Und ein Kühlschrank, der mit Sicherheit dem Kühlbomber zu Hause keine Konkurrenz macht, aber durchaus für das Notwendigste Platz bietet.
Inklusive einem winzigen Gefrierfach, das nicht für Champus-Flaschen geeignet ist. Den Tisch für vier Personen hast Du im Handumdrehen gedeckt, der im Wohnzimmer neben einem weiteren Fenster platziert ist. Sollte Dein Partner doch noch schlafen, schnapp Dir ein Buch aus dem Wohnzimmerregal, leg Dich auf die Couch und genieße den Ausblick hinaus auf die Terasse. Die sich natürlich auf der Stirnseite des Wohnzimmers befindet und über eine durchgängige Glasfront und Terassentür vom Wohnzimmer getrennt ist.

SCOTTY, ENERGIE!

Klar, ein Tablet statt Buch geht auch. Allerdings musst Du auf eine großzügig ausgelegte Stromversorgung verzichten. Das Nachladen reicht bei Fahrt für ein Gerät aus, beim Ankern würde das Nachladen von gar mehreren Geräten die Bord-Batterie innerhalb weniger Minuten entleeren. Keine Bange, eine Restenergie wird stets für den Anlasser des Außenborders reserviert bleiben. Man sollte daher für ausreichend Vorrat an Rerserveakkus sorgenund ebenso Mehrfachstecker, Kabeltrommel und CEE-Adapterkabel mitnehmen, um sich in den zahlreichen Marina-Anliegestellen mit ausreichend Stromnachschub für die diversen Tablets, Kameras und Smartphones zu versorgen.
Übrigens, Feuer statt Strom!  

Küchenhexe

Küchenhexe

Sollte es am frühen Morgen doch mal etwas kühl sein, wirf doch die Küchenhexe an, die vorzüglich und schnell aufheizt. Und zudem gerade am Abend eine romantische Kaminatmosphäre erzeugt. Nicht unerwähnt sei, dass es Bunbo-Modelle mit Gas- statt Holzofen gibt.

DIE TERRASSE FÜR DIE SCHÖNSTEN PLÄTZE

Der eigentliche Aufenthaltsbereich

Immer Frühstück am Wasser!

Immer Frühstück am Wasser!

ist jedoch die Terrasse selbst, die vier Personen ohne Weiteres Platz zum Sitzen und Chillen bietet. Inklusive einer Hängematte, die wir nur wärmstens empfehlen können. Mehr Chill geht nicht!

Gemütliche Klappstühle und ein passender Klapptisch laden förmlich zum Frühstücken draußen und zum Grillen ein. Dieses „draußen da“ ist viel zu schön, um die Zeit im Wohnzimmer zu verbringen. Von der Terrasse aus wird das Bunbo auch gesteuert. Sollte Dein Partner immer noch schlafen, macht das nichts! Es braucht keine zwei Personen, um ein Bunbo zu bewegen. Wirf den Motor an, um die Tagestour zu starten.

UNTERWEGS IN DEN TAG

Es handelt sich dabei um einen Außenborder, der über das Steuerrudersystem auf der Terrasse rechterhand per simpler Umdrehung des Zundschlüssels angeworfen wird. Es sind keine frühsportlichen Sägebewegungen nötig. Das Ankerlichten ist kinderleicht. Je ein zwei Meter hohes Stahlrohr wird vorne und hinten per Seilwinde hochgezogen. Das war es schon? Allzu viel muss man darüber auch nicht wissen. Es ist ebenso simpel und einfach bedienbar wie das gesamte Bunbo. Nichts was herausfordernd oder gar schwierig wäre. Nichts, was einen vor Rätsel stellt oder Angst machen muss. Selbst Landratten nicht? Nicht mal eine Sekunde. All Eure Sorgen, was wohl schiefgehen könnte, was schwierig sei, werden sich als Fantasie erweisen. Das Steuern und Gasgeben könnt Ihr Euch wie eine gemütliche Fahrt mit dem Fahrrad vorstellen.
Wo legen wir an?

Wo legen wir an?

Ähnlich anspruchslos, bei Weitem nicht so kräftezehrend. Reservekanister lassen Euch entspannt in den Tag hineinfahren, ohne sorgenvoll an die Reichweite denken zu müssen. Kalkuliert grob mit zwei Litern je Fahrstunde.
Wenn es denn schon so anspruchslos ist, dann wird es doch leider langweilig sein!? Nein! Überraschenderweise macht es mehr Spaß als man denkt, zumindest uns Landratten. Alte Seebären werden natürlich gelangweilt vor sich dahingähnen, da man weder seglerischen noch navigatorischen Herausforderungen gegenübersteht.

LANDRATTEN AHOI – MIT CHARTERSCHEIN!

Für uns Landratten gilt ab: Das Erlebnis mit einem Hausboot über Gewässer zu fahren, dabei die fantastischen Landschaften zu genießen, ist Dopamin-verdächtig. Das ist die körpereigene Droge, die uns Glück verspüren läßt. Beim Bunbo kann man sagen, dass der Weg das Ziel und das Ziel der Weg ist, beides zugleich! Soviel Nähe zur Natur und Selbstorganisatorik abseits dem Stadtleben ist erstaunlich wohltuend und wiederbelebend. Ich denke, auch Seebären erliegen diesem Zauber.

Das gesamte Bunbo-System wirkt sich weder störend noch beängstigend aus. Die Bedienbarkeit ist mehr als simpel. Für den Charterschein paukt man vor dem Urlaub, und nach der ausführlichen Einweisung und einigen Prüfungsfragen hat man das Ding in der Tasche.

Man genießt ein Maß an Komfort, das nicht ablenkt, dafür den beruhigenden Level an Wohlgefühl fördert, so dass man die Reise als sorglosen Genussstrom wahrnimmt. Es ist eben kein karges Zelt. Kein winziges Wohnmobil. Kein Verzichtsmobil. Zugleich ist es auch kein Luxus-Bungalow. Kein Überflussmobil. Es bietet die richtige Mischung, das Einlassen auf die Natur zu befördern. Kein Stress, kein Gehetze, keine Probleme. Ihr, die Natur, fantastische Landschaftsszenarien.

Easy to Bunbo!!! Und glaubt uns, wir haben unser Bunbo Nr. 62 schweren Herzens im Heimathafen angelegt, um die Rückreise in die Großstadt Hamburg anzutreten.

P.S.: Es gibt übrigens auch barrierefreie Bunbos!

Sandra P.S.: Ich hab überhaupt nie so viel verschlafen 😛